Die „Tante Poldi“-Reihe (Buchvorstellung)

Tante Poldi ist urbayrisch. Dennoch beschließt sie an ihrem 60. Geburtstag, sich nach Sizilien abzusetzen, um dort zu sterben. Sie kauft sich ein Haus am Meer in Torre Archirafi. Der Ort gehört zur Gemeinde Riposto in der Region Catania und liegt an der Westküste der Insel. Das Vorhaben ändert sich aber schnell…

Die Rahmenhandlung

Zur Ruhe kommt die eigentlich sehr lebensfrohe Tante Poldi aber nicht: Die Familie ihres verstorbenen und geliebten Peppe und das gute Essen auf der Insel lassen das Leben viel lebenswerter erscheinen als sie zugeben will. Immer wieder wird sie in heikle Kriminalfälle verwickelt, die sie unbedingt und mit vollem Einsatz lösen möchte. Sie kann einfach nicht anders. Davon abgesehen, dass ihr die Detektiv-Arbeit immer mehr Antrieb verschafft, eckt sie immer wieder mit der lokalen Exekutive an, in dessen Revier sie gerne stiert.

Bald ist ist „Donna Poldina“ in der Region bekannt und ihre detektivischen Talente gefragt. Sehr zum Leidwesen ihres „Commissario Montana“, einen Ermittler im besten, reifen Mannesalter, auf den sie während ihres ersten Mordfalls trifft. Schon bald entflammt zwischen den beiden eine heiße Affäre und später Beziehung.

Tante Poldi in persona

Die schrille Tante Poldi betritt einen Raum nicht, sie erscheint. Mit ihren paar Pfunden zu viel ist sie eine imposante und attraktive Erscheinung, die Männer jeglichen Alters irgendwie anzieht. Ein richtiger Vamp sozusagen. Ihr Markenzeichen ist die große schwarze Perücke, ohne die sie – wenn überhaupt – nur wenige Menschen gesehen haben. Selbst äußerst nahe stehende Menschen wissen nicht, was sich darunter verbirgt. Dafür zeigt sich Alt-68erin mit anderen Teilen ihres Körpers umso freizügiger.

Sie hat ein großes Herz und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Ihre schier unglaubliche Lebenserfahrung teilt sie gerne – gefragt und ungefragt. Sie liebt gutes Essen und ist auch dem Alkohol alles andere als abgeneigt.

Tante Poldi ist stur wie ein Hund und tut das, was (und wie) sie es will. Sie ist aber auch sehr sensibel, so dass ihr Missstimmungen schnell in den Magen fahren. Dann verkriecht sie sich tage- und wochenlang in ihrem Haus.

Die Erzählperspektive oder: der Neffe

Wenn sie sich um Tante Poldi sorgen, so lassen Peppes Verwandte Poldis schüchternen und leicht weltfremden Neffen aus Deutschland einfliegen. Er lebt dann im ersten Stock von Poldis Haus und versucht sich dort an seiner Karriere als Schriftsteller. Er plant einen Familienepos über mehrere Generationen. Trotz seiner eher fragwürdigen Ideen für die Handlung des Romans, erhält er (meist ungefragt) Ratschläge seiner Tante, die an das nicht wirklich offensichtliche Talent ihres Neffen zu glauben scheint.

Ihm erzählt Tante Poldi ihre Geschichten. Er hinterfragt sie und erzählt sie (und den Lesern) weiter. Manchmal wird er sogar in laufende Ermittlungen eingebunden.

Mein persönliches Fazit

Ich habe Tante Poldi eher zufällig im Buchladen entdeckt. Ich habe mir den ersten Band ausgeliehen. Die weiteren Bänder der Reihe habe ich dann nach und nach gelesen. Ich hoffe auf einen baldigen Band 5.

Die Bücher sind herrlich leicht geschrieben und damit die perfekte Urlaubs- oder Sommerlektüre. Ich war zwar noch nicht auf Sizilien, aber trotzdem habe ich das Gefühl, vieles über Land und Leute gelernt zu haben.

Zu ernst darf man die Geschichten um Tante Poldi nicht nehmen. Aber natürlich finden auch die einen oder anderen Szenen auf Wochenmärkten statt… :-)

Der Schreibstil von Mario Giordano ist herrlich frisch, beinahe unkopierbar. Ungern legt man die Bücher aus dern Hand. Die Tanti Poldi hat man in der Regel schnell durch.

Der Autor Mario Giordano

Mario Giordano wurde 1963 in München geboren, lebt und arbeitet heute aber in Berlin. Sowohl mit seiner Tante-Poldi- als auch mit seiner Apocalypsis-Reihe stand er mehrere Wochen auf den Beststeller-Listen. Auch das mit Moritz Bleibtreu verfilmte Buch „Das Experiment“ stammt aus seiner Feder. Zudem schrieb Giordani Drehbücher für verschiedenste deutsche Krimi-Reihen, wie bspw. den Tatort.